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Zusammenfassung des dritten Kongresstages

Gerl-Falkovitz, Thomas, Pieringer und Kapfhammer diskutierten am Podium über den Zeitgeist und seine Antithese: Relativismus vs. Fundamentalismus.

Gerl-Falkovitz leitete die Diskussion mit einem Beitrag zum Begriff des Dogmas und der Wahrheit ein. Das Dogma sichere ihrer Auffassung nach die Unabschließbarkeit einer Frage und stelle „eine wilde Wahrheit, die sich schwankend aufrecht erhält“ dar.

„Fundamentalismus und Relativismus sind überall zu finden, auch bei uns“, meinte Pieringer. Eine fundamentalistische Handlung entspringe immer einer relativierenden Grundhaltung. In diesem Zusammenhang wurde auch Robert Spähmann zitiert, der einmal sagte, jeder sei von irgend etwas ein Fundamentalist.

Kapfhammer ging davon aus, dass vor allem junge Menschen gezwungen seien, sich festzulegen und zu orientieren. Es bedürfe Vorbilder, die aufzeigen, wofür es sich wirklich zu leben lohnt. Aber in dieser Phase seien Jugendliche oder auch Menschen in einer Verwirrung anfällig für fundamentalistische Gruppen. Kapfhammer sieht es aber nicht als fundamentalistisch an, sich zu einer Wahrheit zu bekennen und auch zu versuchen, andere davon zu überzeugen.

Thomas deutete Fundamentalismus auch als Kampfbegriff. Jede Position mit Überzeugung vorgetragen wird heute von manchen als fundamentalistisch bezeichnet. Er stellte die Frage, ob hier das Bildungsideal der Überzeugungslosigkeit vertreten wird und konstatierte, Wahrheitsüberzeugungen dürften nicht als Demokratie-gefährdend angesehen werden. Für ihn habe Relativismus keinen Respekt vor Wahrheitsüberzeugungen. Zwischen Fundamentalismus und Relativismus liegt ein legitimer gesellschaftlicher Pluralismus, zu dem er selbst sich bekannte.

In der Diskussion kam heraus, dass der Begriff des Fundamentalismus in der gesellschaftlichen Debatte nicht klar umrissen ist.

 

Die Frage der zweiten Podiumsdiskussion am Samstag „Braucht der religiöse Patient einen religiösen Therapeuten“ sorgte für einige Kontroversen. Es diskutierten Bonelli, Ivancic, Pfeifer, Lütz und Picker.

Bonelli vertrat die Auffassung, dass auch nicht religiöse Therapeuten Offenheit für die Religion ihrer Patienten zeigen müssten. Patienten mit starken religiösen Überzeugungen würden einem antireligiösen Therapeuten oft weniger vertrauen. Ein religiöser Therapeut dürfe aber niemals Seelsorger sein, „er muss“, so Bonelli „dem Patienten dienen, ohne ihm seine eigene Weltanschauung überzustülpen“.

Lütz bezeichnete die Vermischung von Therapie und Seelsorge als problematisch, der Patient müsse immer wissen, ob er nun mit einem Seelsorger oder mit einem Therapeuten spricht.

Pfeifer beantwortete die Frage, ob der religiöse Patient einen religiösen Therapeuten braucht mit einem klaren „Nein“. Es gäbe ja keinen Therapeuten, der alle Religionen abdeckt und es seien klare Behandlungsstrategien vorhanden, die überall wirken. Man müsse aber immer mehr die Subkultur des Patienten verstehen und da kommt auch das hinein, was Pfeifer „die Religion des Herzens“ nannte.

Picker forderte ein, dass religiöse Therapeuten klar bekennen müssten, vor welchem Hintergrund sie stehen.

Die „Hagiotherapie“ von Ivancic war Gegenstand einiger Kontroversen. Sie als eine Psychotherapie zu sehen, wurde von allen Diskussionsteilnehmern abgelehnt, da sie ein zu starkes missionarisches Element beinhalte. Ivancic selbst empfindet die Hagiotherapie nicht als eine psychotherapeutische Methode, sondern viel mehr als eine Art der Seelsorge. Sie stammt aus Seminaren zur Neuevangelisierung, nach denen Menschen an ihn herantraten und ihn baten, ihnen zu helfen.

 

Als offiziellen Abschluss des Kongresses und als Beendigung des Hauptprogramms in der Aula Magna betonte Prof. Walter Pieringer die Wichtigkeit des Themas für die moderne Psychotherapie. Er gab bekannt, dass 1219 Teilnehmer den RPP-Kongress besucht hatten; davon etwa 40% Mediziner, 20% Psychologen und Psychotherapeuten, 15% Theologen und Seelsorger und 25% andere Berufe (hauptsächlich aus dem Pflegebereich, Ergotherapie, Physiotherapie usw.). Pieringer kündigte die Fortsetzung der Veranstaltung im Jahr 2008 mit einer Tagung über das Thema "Schuld & Gefühl" an.

 
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