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Gerl Falkovitz: Fragen an die postmoderne Selbstinszenierung

Drei kritische Fragen an die postmoderne Selbstinszenierung stellte die bedeutende Dresdener Religionsphilosophin Gerl-Falkovitz als Analyse und Befund unserer Zeit an die Spitze ihres Vortrages: Ist die Religion am Ende? Ist der Mensch am Ende? Ist unser Gottesbild am Ende?

Zwar dampft die Religiosität von wagem pantheistischen Gefühl und Esoterik wie in der Waschküche, aber der Glaube an einen lebendigen, personalen Gott ist geschwunden. Religion wird funktionell gebraucht, wie etwa zur Entwicklung eines Weltethos, zur psychischen Bedürfnisstillung einer sinnleeren Gesellschaft oder in ihrem Zerrbild, der medialer Selbstinszenierung. Gerl-Falkovitz warnte hier vor einem Verstummen des Glaubens an einen unvermarktbaren Gott.

In einem zweiten Durchgang hinterfragte Gerl-Falkovits die Entgrenzung des Menschen. Man versucht, die alten Grenzen wie Mensch-Tier, Mann-Frau oder Mensch-Technik aufzuheben und träumt von einem ‚homo mechanicus et surogatus’. Das alte Bild vom Menschen ist in solchen Bestrebungen obsolet. Damit wirkt auch ein Gottesbild im personalen Sinn heute störend. In einer Zeit, wo das sich selbst schaffende Selbst und das Göttliche das selbe werden, wirkt die Vorstellung eines Schöpfergottes jüdisch/christlicher Tradition mit seinem Absolutheitsanspruch irritierend.

Als Antwort auf diesen für den Glauben kritischen Befund benennt Gerl-Falkovitz „prophetische“ Intellektuelle wie Jean Fracois Lyodard, Botho Strauß, Jürgen Habermas oder Jacques Derrida. Diese Zeitgenossen würden gerade in der Kunst (Botho Strauß: „Solange es die Eucharistie gibt, kann ich noch dichten.“) im unvorhersehbaren Ereignis, in der Frage nach Gerechtigkeit für die Opfer und Vergessenen die notwendige Anwesenheit dessen postulieren, den Gläubige als lebendigen Gott behaupten.

Gerl Falkovits gelang es eindrucksvoll, das Fragen nach der Grammatik des Lebendigen jenseits einer Versackung des Religiösen im Konsum anzuregen. Ein langanhaltender Applaus gab den Eindruck wieder, den der Vortrag hinterlassen hatte.

 
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